Weltwirtschaftskrise - vor entscheidender Weichenstellung
Die tiefgreifende Wirtschaftskrise ist an einem Punkt angelangt, an dem Entscheidungen zu treffen sind, um aus einer Krise der Staaten keine Krise zwischen den Staaten entstehen zu lassen. Die Phase unrichtiger und unvollständiger Analyse, unfokussierter Rettungspakete, Träumerei und populistischer Kraftmeierei muss enden. Die Politiker müssen begreifen, dass nur mit gemeinsamen weltweit abgestimmten Anstrengungen und Konzentration auf das wirklich Machbare der globale Wohlstandsverlust verhindert werden kann.
Die Weltwirtschaft gleicht derzeit einem gigantischen Experimentierfeld mit drei Mega-Baustellen:
1. Insolvenz der Banken
Bislang haben nur sehr Wenige die Wahrheit über die Banken mit dem zutreffenden Begriff beschrieben: Insolvenz. Seit Mitte 2007 wird versucht, die Bankensituation mit Liquiditätsproblemen zu erklären. Regierungen und Notenbanken haben seitdem Tausende von Milliarden losgetreten. Der Effekt ist, gelinde gesagt, katastrophal. Nicht nur, dass sich der Bankensektor trotzdem nicht erholt hat und die Wirtschaft weiterhin nicht ausreichend mit Krediten versorgt wird. Gleichzeitig haben sich die Staaten in noch nie dagewesenem Maße verschuldet und damit ihre zukünftige Handlungsfähigkeit eingeschränkt.
Die staatlichen Maßnahmen sind bislang auf die Passivseite der Banken (Kapitalzuführung) ausgerichtet, während das Problem tatsächlich in der mangelnden Werthaltigkeit der Positionen auf der Aktivseite der Bankbilanzen liegt. Das internationale Banksystem leidet nicht unter einer (vorübergehenden) Illiquidität, sondern unter einer massiven Überschuldung, deren glaubwürdige Sanierung nur in der Beendigung der Geschäftstätigkeit einer Reihe durchaus namhafter Institute liegen kann. Am Ende dieses Prozesses dürfte ein geschätztes Geschäftsvolumen der Finanzindustrie von nur noch 50-60% der heutigen Größenordnung stehen.
Daraus abgeleitet kann eine weitere These mit hoher Eintrittswahrscheinlichkeit aufgestellt werden: Die Weltwirtschaft wird zukünftig mit deutlich weniger Fremdkapital auskommen müssen. Dieser sog. Credit Crunch trifft auf eine ohnehin geschwächte Wirtschaft, die sich im Zuge der Globalisierung darauf eingerichtet hat, auf Materialien und Kapital jederzeit und in ausreichendem Maße zugreifen zu können, womit wir gleichzeitig bei Baustelle 2 sind.
2. Einbruch der globalen Wirtschaftsleistung
Die USA als Lokomotive der Weltwirtschaft schaltet gerade vom Konsum- in den Sparmodus um. Das war schon lange überfällig, denn das Ungleichgewicht in der Handelsbilanz insbesondere zwischen USA und China mit ständig steigender Außenverschuldung Amerikas konnte nicht von Bestand sein: Schuldenfinanzierung durch die Chinesen und Überkonsum auf Pump durch die Amerikaner.
Die Effekte sind global erkennbar: China sieht sich mit Absatzproblemen konfrontiert und kürzt Investitionen in eigene Produktionsstätten, Europa (und hier insbesondere Deutschland mit seiner herausragenden Investitionsgüterindustrie) steht nunmehr vor einem Scherbenhaufen seiner einseitig auf Exporte ausgerichteten Wirtschaftspolitik. Es herrscht große Verunsicherung, wie lange die Nachfrageflaute anhält. Über Ausmaß und Dauer mag sich kaum noch ein Wirtschaftswissenschaftler äußern. Alle Blicke richten sich auf die USA. Bekanntlich basieren 70% der US-Wirtschaftsleistung auf privatem Konsum. Ein Rückgang in Richtung 65% wird als unumgänglich angesehen, um den US-Privathaushalt zu entschulden. Damit rückt ein Multiplikator ins Blickfeld, der sich leider schon oft bewiesen hat: Ein Prozent weniger amerikanischer Konsum bewirkt mehrere Prozent niedrigere Exporte Europas.
Positive Aspekte sind das enorme Bevölkerungswachstum Nordamerikas und Asiens. USA wird seine flexible Arbeitsorganisation helfen, frühzeitiger als andere Industrieländer wieder auf den Wachstumspfad zurück zu kehren. China wird aufgrund seiner hohen liquiden Reserven jederzeit in der Lage sein, das Wirtschaftswachstum in gewünschte Bahnen zu lenken. Viel wird davon abhängen, inwieweit China sich in das globale Krisenmanagement einbinden lassen wird, denn die bisherige Bereitschaft, US-Anleihen zu kaufen, war ein teures Vergnügen.
3. Exponentielle Verschuldung und staatliche Eingriffe
Die beispiellose Verschuldung der Staaten und der ausbaufähige wirtschaftliche Sachverstand der Politik muß in jeder Hinsicht zu denken geben. Mindestens genauso ernst ist das gestiegene Maß an Komplexität, das sich durch das sehr weitgehende Engagement der Staaten in privatwirtschaftlichen Belangen ergeben wird. In der Bevölkerung herrscht Unsicherheit und Misstrauen. Politiker haben leider oft genug bewiesen, dass sowohl ihre Fähigkeiten als auch ihre Glaubwürdigkeit wenig dazu beitragen, Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln. Aktuell wird in Deutschland der Wahlkampf über Kopfprämien geführt. Die SPD hat den nächsten Umverteilungskampf schon angekündigt (Einführung von Vermögenssteuer, Börsenumsatzsteuer, Absenkung der Grenze für Spitzensteuersatz, Steuergeschenke für Geringverdiener etc.). Der Ausblick für Mittelstand und Leistungsträger ist verheerend. Leider ist nur keiner dieser „Wahlkämpfer“ gewillt und in der Lage, den daraus resultierenden volkswirtschaftlichen Schaden zu beziffern. In der größten Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren hat unser Finanzminister nichts Besseres zu tun, als unsere kleinen Nachbarstaaten (Schweiz, Liechtenstein u.a.) zu beleidigen und in unsachlicher Form unter Druck zu setzten, um sein Ego zu befriedigen. Krisenmanagement sieht anders aus.
Gefordert sind Maßnahmen und die öffentlichen Beantwortung der dringlichsten Fragen:
- Kompromisslose Sanierung und, wo nötig, Eliminierung innerhalb der Bank- und Versicherungswirtschaft (als Auslöser der Krise)
- Konzertierte, nachhaltige, zielgerichtete und sofort wirksame Stimulierungsmaßnahmen der Staatengemeinschaften
- Nennung der ökonomischen Folgen der Krise (Schadensbilanz)
- Nennung der vorgesehenen Zuordnung des Schadens auf die Gesellschaft
- Angaben über Finanzierung und Zeitplan der Staatsentschuldung
- Stellungnahme zum Umgang des Staates mit den komplexen wirtschaftlichen Aufgaben in Staatshand und Angaben zur Reprivatisierung
Leider wurde auf dem G20-Gipfel in London keines der Themen wirklich ernsthaft aufgegriffen, so dass sich mir nach wie vor die Frage stellt, ob die Tiefe der Krise wirklich verstanden wurde. Die Bevölkerung ist auf einen Verlust an Wohlstand eingestellt, da ihr bewusst ist, dass der (ohnehin vorhandene) Schaden auf die Schultern der Gesellschaft verteilt wird. Was fehlt, ist die oben geforderte verlässliche Regel, denn schlimm wäre eine staatliche Verhaltensweise, die das laufende Wegnehmen und Hinzufügen sozusagen perpetuiert.
Europa hat zudem ein weiteres Problem, das bis vor kurzem gern unter den Teppich gekehrt wurde, obwohl nicht wenige Wirtschaftler immer davor gewarnt haben: die Fragilität des Euro. Nach Jahren der Euphorie zeigt sich das eigentliche Problem: Individuelle nationale Wirtschaftspolitik harmoniert nicht mit einer supranationalen Geldpolitik. Viele ehemalige Hochzinsländer (Italien, Spanien, Griechenland, Portugal) haben aufgrund der niedrigen Euro-Zinsen jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt und gleichzeitig das einzige Regulativ verloren: Die Abwertungsmöglichkeit der eigenen Währung. Innerhalb der Euro-Zone wurden keine Vereinbarungen zur Krisenprävention oder –bewältigung getroffen, so dass derzeit offen ist, wie und durch wen den überschuldeten Staaten geholfen werden kann / muss. Die mittelfristigen Auswirkungen für die Mitgliedsländer des Euro dürfen durchaus als offen bezeichnet werden.
Deflation oder Inflation?
Die Notenbanken haben in den letzten Quartalen in weltweit abgestimmten Aktionen die Leitzinsen auf niedrigste Niveaus gedrückt, so dass weitere Impulse von dieser Seite kaum noch ausgelöst werden können. Hintergrund ist der drastische Rückgang der Wirtschaftsleistung mit seinen deflationären Gefahren. Unabhängig davon, ob die Maßnahmen von Notenbanken und Regierungen den gewünschten Effekt erzielen, wird am Ende ein riesiges Mehr an Papiergeld stehen. Entschuldung über Abwertung und Inflation war schon immer gängige Praxis von chronischen Defizitländern.
Die vorhergehenden Überlegungen sollten zeigen, dass sich weite Teile unserer Gesellschaft von illusionärem Reichtum verabschiedet (US-Hauspreise, wertlose Finanzprodukte, aufgeblähte Handelsbilanzen, real abwertende Bankeinlagen etc.). Die Welt befindet sich in einem Strukturbruch.
Der Markt glaubt offensichtlich nicht mehr an die unlimitierte Verschuldungskapazität von Staaten. Die steigenden Risikoaufschläge für Staatsanleihen sind ein deutliches Warnsignal. Bei weiterer Verschärfung der Krise wird Entwertung von Geld entweder durch den schleichenden Prozess der Inflation oder abrupt durch den Wertzerfall einzelner Währungen hervorgerufen. In jüngster Vergangenheit haben wir gerade eine drastische Korrektur des britischen Pfundes, die Verluste vieler osteuropäischer Währungen und den Kollaps von Island erlebt. Die Werthaltigkeit von Geld darf bei der zunehmenden Verschlechterung der ohnehin schon problematischen Finanzhaushalte nicht mehr ohne weiteres vorausgesetzt werden.
Der Umverteilungsprozess hat den Vorteil, die Spreu vom Weizen zu trennen, denn die tatsächlich vorhandenen Ressourcen wie Rohstoffe, Land, Gebäude, Maschinen, Industrieanlagen, Infrastruktur und vor allem Humankapital bleiben auch bei hoher Inflation weitestgehend in ihrem Wert unbehelligt.
Wie soll der Privathaushalt disponieren?
Die letzten Monate unserer Tätigkeit waren geprägt von der Identifizierung von Anlagestrategien, die den erwarteten weltweiten Entwicklungen Rechnung tragen. Dabei hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Zukunft nicht in Papiergeld liegen kann. Die vor allem in Deutschland beliebten Anlageformen von Tagesgeld über Termingelder zu Spareinlagen entwickeln sich immer mehr zum zinslosen Risiko. Professionelle Investoren erwarten von zukunftsorientierten Produkten folgende Eigenschaften:
- Transparenz der Anlage- und Exitstrategie
- Solvenz der beteiligten Partner
- Hohe Eigenkapitalquote in allen Investmentphasen
- Konzentration auf Sachwerte
- Diversifikation der Anlagen
- Mindestens mittelfristiger Anlagehorizont, da kurzfristige Ausschüttungsnotwendigkeiten keinen sicheren Erfolg gewährleisten
Aus dem formulierten Anforderungsprofil ergibt sich zwangsläufig eine Investmentstrategie, die sich auf die Assetklassen
- Gold (physisch hinterlegt)
- Rohstoffe aus den Bereichen Energie und Landwirtschaft
- Landentwicklung
- Immobilien in weltweiten Anlagestrategien (hier insbesondere opportunistisch)
- Infrastrukturmaßnahmen
- Aktien
- Unternehmensanleihen mittlerer Laufzeit und guter Bonität als Liquiditätsreserve
konzentriert. Wir haben in diesen Bereichen viele Produktangebote geprüft und entsprechende Selektionen vorgenommen. Hohe Expertise, langjährige Erfahrung und nachweislich erfolgreiche Leistungsbilanzen waren die Benchmark. Gold als Substanzschutz ist nicht inflationierbar und dem Zugriff der Politik weitgehend entzogen. Die Bedeutung von Gold als Realwährung nimmt bei einer weiteren Verschärfung der Krise zu. In den Bereichen Rohstoffe, Landentwicklung und antizyklischen Immobilieninvestments liegen die erwarteten und als realistisch einzustufenden Renditen bei rd. 15% IRR. Darauf konzentriert sich auch unsere aktuelle Produktentwicklung. In der liquiden Vermögensverwaltung wird die Aktienanalyse (geringe Verschuldung, hohe cash flows, ausgereiftes Geschäftsmodell) und Auswahl von Unternehmensanleihen umgesetzt und je nach individuellem Risikoprofil gewichtet.
Ausblick
Die positive Entwicklung der letzten Wochen an den Aktienmärkten weckt falsche Hoffnungen. Die unangenehmen Folgen der Krise liegen noch vor uns (Arbeitslosigkeit, Umverteilungsbestrebungen, Kollaps der Sozialversicherungssysteme). Die Irrationalität zeigt sich insbesondere bei der Entwicklung der Bankaktien, die sich trotz akuter Insolvenzgefahr von ihrem Tief wieder verdoppelt haben. Die Wahrscheinlichkeit von hohen Aktienkursen dürfte kurzfristig nicht allzu groß sein, wenn man der gemachten Vorausschau glaubt. Selektiv lassen sich aber mit Aktien qualitativ hochwertiger Unternehmen gute Ergebnisse erzielen, denn auch hier handelt es sich um Sachwerte.
Es bleibt zu hoffen, dass die wirtschaftliche Realität in ihrer Dimension auch bei der Politik ankommt und endlich abseits von Populismus und Protektionismus die richtigen Weichen gestellt werden, denn nichts ist momentan schlimmer als die Profilierungssucht Einzelner.
Die ersten beiden Baustellen werden mittelfristig eine Lösung finden. Die Finanzindustrie wird grundlegend anders aussehen und stärker reguliert sein, die Weltwirtschaft wird voraussichtlich im Laufe des Jahres 2010 den Tiefpunkt durchschritten haben und zumindest moderat wachsen können. Große Unsicherheit verbleibt aber mit Blick auf die Rolle der staatlichen Administration und der wieder ausufernden Staatsquote, denn hier ist die Gefahr folgenreicher Fehlentscheidungen nach wie vor sehr hoch.
Dem Privathaushalt bleibt nur seine eigene Weichenstellung. Denn mehr denn je gilt die Aussage von Thomas Mann: „Es gibt keinen Besitz, der Nachlässigkeit vertrüge“.
uh - 04/2009 |