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Euroland wird Schuldenland – der Damm ist gebrochen

 

 

Verehrte Mandanten,

in immer kürzeren Abständen überschlagen sich die Ereignisse. Am letzten Wochenende haben die EU-Finanzminister den sog. „Europäischen Stabilisierungsmechanismus“ beschlossen, der Kredite und Kreditgarantien in Höhe von € 500 Mrd. umfasst. Außerdem wird der Internationale Währungsfonds (IWF) weitere € 250 Mrd. an Kreditlinien bereitstellen. Soweit die offizielle Mitteilung, die nach Aussage der Politiker den Euro gerettet hat.

Das Gegenteil ist der Fall. Mit der Maßnahme hat die Europäische Administration nicht nur den letzten Pfeil in ihrem Köcher verschossen, sondern gleichzeitig sämtliche Rahmenbedingungen, die die Stabilität des Euros bei seiner Einführung gewährleisten sollten, außer Kraft gesetzt. Bisher war es nach dem Maastricht-Vertrag ausdrücklich verboten, zahlungsunfähige Mitgliedsstaaten zu retten. Der Gipfel der Dummheit war dann der auf die Europäische Zentralbank (EZB) ausgeübte politische Druck, wertlose Staatsanleihen europäischer Mitgliedsländer anzukaufen – ein Tabubruch, den es auf deutscher Seite seit der Weimarer Republik nicht mehr gegeben hat. Die Gelddruckmaschine wurde angeworfen. Axel Weber, der Präsident der Deutschen Bundesbank, hat die Maßnahme als irreparablen Fehler bezeichnet. Über die Inkompetenz und Glaubwürdigkeit von Politikern muss man nicht diskutieren, aber nunmehr hat auch die (eigentlich unabhängige) Europäische Zentralbank jegliches Vertrauen eines Stabilitätsankers am Kapitalmarkt verspielt und verkommt zu einem Verwaltungsorgan.

Deutschland zahlt die Zeche für europäische Finanzinstitute

Man muss sich vergegenwärtigen, um was es eigentlich geht. Europäischen Banken und Versicherungen haben einen hohen dreistelligen Milliardenbetrag in Staatsanleihen der südeuropäischen Länder angelegt. Die befürchtete und vom Kapitalmarkt tendenziell eingepreiste Nicht-Fähigkeit der Rückzahlung hat die Politik auf den Plan gerufen, allen voran Frankreichs Sonnenkönig Sarkozy. Denn die französischen Institute sind der mit Abstand größte Gläubiger der betroffenen Länder. Man muss sich die Schizophrenie vor Augen führen, dass der deutsche Steuerzahler mit nun aktuell € 170 Mrd. für die Abschreibungsrisiken ausländischer Finanzinstitute haftet. In dieser fatalen Nacht von Sonntag auf Montag dieser Woche ist Deutschland in Brüssel komplett über den Tisch gezogen worden.

Die Schuldenorgie beginnt

Es ist wichtig festzuhalten, dass die oben beschriebene „Rettungsaktion“ nichts zur Schuldenlösung beiträgt und die strukturellen Probleme Europas nicht vermindert. Im Gegenteil - die Schuldenländer wissen nun, dass ihre Schulden im Zweifel von den stärkeren europäischen Ländern solange übernommen werden, bis auch diese am Ende sind.

Definitiv am Ende ist der Euro. Die Kapitalmärkte haben ihr Urteil in dieser Woche gesprochen und schicken den Euro auf eine lange schleichende Talfahrt. Am Ende steht entweder die Auflösung des Euro (bessere Lösung) oder aber eine europäische Inflationsgemeinschaft mit einer laufend abwertenden Schwachwährung (schlechteste, aber politisch wahrscheinlichste Variante).


Wie schon bei der Finanzmarktkrise werden nicht die strukturellen Ursachen angepackt, sondern die Probleme mit wiederum neuen Schulden vor sich hergetrieben. Ich sprach schon einmal von der „geborgten Zeit“. Noch nie haben Regierungen und Notenbanken gleichzeitig eine derart extreme Verschuldungs- und Geldvermehrungspolitik angewendet.

Signifikante Steuererhöhungen unausweichlich

Auf die Bürger kommen harte Zeiten zu. Da unser Staat von Ausgabendisziplin meilenweit entfernt ist, werden deutliche Steuererhöhungen nur noch eine Frage der Zeit sein. Zur bisherigen Unterdeckung im Staatshaushalt kommen nunmehr die Zahlungsverpflichtungen für europäische Mitgliedsstaaten.

Der weitere Weg ist im Grunde genommen vorgezeichnet. Es gibt deutliche Bestrebungen in Brüssel, eine europäische Steuerharmonisierung voranzutreiben. Was zunächst harmlos klingt, wird sich jedoch zu einer großen europäischen Subventions- und Umverteilungsorgie auswachsen, bei der Deutschland der Zahlmeister sein wird. Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht. Irgendwann ist das Vermögen der deutschen Steuerzahler ausgezehrt. Das Hinterhältige an dieser Sache ist, dass es sicherlich ein wenig dauern wird, bis die meisten Anleger und "Otto Normalverbraucher" vollständig verstehen bzw. am eigenen Leibe spüren werden, was hier am Wochenende passiert ist. Der Euro in ihrem Geldbeutel ist nicht mehr der Gleiche wie vor einer Woche.

Exkurs: Immobilien als Inflationsschutz?

Wie schon erwähnt, haben wir in letzter Zeit eine Vielzahl von Mandantengesprächen geführt. Eine immer wieder gestellte Frage war, inwieweit ein Immobilienkauf eine krisenfeste Investition darstellt. Meine Meinung zu dem Thema ist eindeutig: Eine Immobilie zur Selbstnutzung ist in Ordnung, anders sieht es jedoch bei einer deutschen Immobilie als Kapitalanlage aus. Es gibt zwei langfristige stabile Entwicklungstrends, die gegen ein solches Investment sprechen.

1.    Demographie: Der deutsche Durchschnittsbürger ist heute 48 Jahre alt und stellt damit den größten Bevölkerungsanteil. In 20 Jahren ist diese hohe Anzahl der Bürger im Rentenalter. Der Anteil der Rentner an der Bevölkerung wird dann knapp über 30% betragen. Es gehört wenig Phantasie dazu festzustellen, dass unser Sozialversicherungs- und natürlich auch unser Gesundheitssystem bis dahin implodiert  ist und die Kosten privat zu zahlen sind. Noch einmal 10 Jahre weiter gedacht, wird die deutsche Bevölkerung zahlenmäßig geringer sein und die Wohnraumnachfrage abnehmen.

2.    Sinkende Kaufkraft: Die exponentiell steigende Staatsverschuldung wird zu geringerem Wirtschaftswachstum, niedrigeren Reallöhnen, höherer Arbeitslosigkeit  und Vermögenserosion führen.

Mieten werden in einem solchen Umfeld in der Breite tendenziell sinken. Der Prozess wird sicherlich in einem Ballungsraum wie München später einsetzen, sich aber langfristig nicht aufhalten lassen.

Fazit

Die politischen Entwicklungen und staatlichen Eingriffe sind ein einziges Desaster. In der Konsequenz haben sie unsere Dispositionen und Handlungsempfehlungen nur bestärkt. Sowohl in der Vermögensverwaltung als auch bei unseren strategisch empfohlenen Beteiligungen ist der Euro-Investitionsanteil deutlich zu Gunsten der Rohstoffländer reduziert worden, was uns bislang schon signifikante Währungsgewinne eingebracht hat. Im Wertpapierportfolio wird der asiatische Anteil weiter verstärkt. Trotz hoher Volatilitäten erscheint auf mittlere und längere Sicht das Investment in Schwellenländern die deutlich bessere Alternative.

Eine sehr seriöse Jahrhunderte alte Schweizer Privatbank stellt für ihre reiche Klientel momentan die gesamte bisher praktizierte Vermögensverwaltung in Frage und hat ein „Realwert-Depot“ entwickelt, in dem ein Drittel in physisches Gold, ein Drittel in Währungsreserven (Investition in Währungen rohstoffreicher Länder) und ein Drittel in weltweite Substanzaktien (ohne Eurowerte) investiert wird. Erfahrene Börsianer haben als Erste erkannt, dass reale Wertsicherung durch Standard-Wertpapiergeschäft nicht mehr zu erreichen sein wird.

Die „neue Normalität“ ist mit größerer Geschwindigkeit unterwegs als bisher angenommen. Man sollte gut vorbereitet sein.

 

uh / 05-2010